Bericht vom Osterhike 2011
Tag 1
16.04.2011
Nach langen Vorbereitungen und Planungen war es endlich soweit, unser erster Osterhike sollte starten. Zu diesem Zweck trafen sich am Samstag Morgen, den 16.April, die ersten fünf Wanderschwalben und als Gast vom DPB Remscheid Jini.
Wir hatten uns ein sehr ehrgeiziges, eigentlich nicht erreichbares, Ziel gesetzt, die Burg Balduinstein, welche wir nicht mehr im Laufe des Hikes erreichen sollten. Dafür wollten wir immer südwärts ziehen und unsere Heimat, das Bergische Land, erkunden.
So starteten wir nach einem gemeinsamen Frühstück an der Luther Kirche und hatten als erstes Ziel Beyenburg ins Auge gefasst. So ging es über die Konradswüste hinunter ins Tal der Wupper und auf der anderen Seite hinauf auf den Ehrenberg, wo wir einen letzten Blick über unsere Heimatstadt werfen konnten. Von dort dauerte es noch bis zum fruehen Nachmittag, ehe wir die Wupper bei Beyenburg erneut ueberqueren konnten. Der Weg hatte uns durch Waelder und Taeler geführt, vorbei an herrlicher Vegetation, die in uns Lust auf die anstehenden Aufgaben machte. In Beyenburg selbst nahmen wir ein Lunch ein und fragten nach einem Supermarkt. Doch die Wahrheit war, dass der naechste Supermarkt in Dahlerau war. Wann dieser auf einem Samstag schließen würde, war nicht klar, so fassten wir den Beschluss, uns aufzuteilen. Bifi, Sandmann und Spladder rannten voraus, waehrend Jini, Bonsai und ich in ruhigerem Tempo folgen wuerden.
Wir hatten mittlerweile den markierten Fernwanderweg X7 eingeschlagen, welcher einen langen und anstrengenden Berg rechtsseitig der Wupper hinaufführte. Dort oben machten wir eine Pause und blickten hinab auf den sprudelnden Fluss, der gerade in dem vor uns liegendem Gebiet für soviel Industriegeschichte gesorgt hatte. Nach einem kleinen Wald kamen wir nach Oberdahl, wo der Weg durch einen Pfeil der Schnellen markiert war. Hier fehlte ein Wegzeichen an einer Kreuzung. Von dort ging es den langen Berg wieder hinunter, ehe wir wieder am Wupperufer entlang wanderten in Richtung Wuppertalsperre. An einem Bahnübergang schließlich machten Jini einen besonderen Fund. An der Seite der seit 30 Jahren stillgelegten Wuppertalbahn fanden wir einen massiven Hammer, welchen wir einsteckten. Möglicherweise handelt es sich um einen Kupferhammer, eine genaue Analyse steht noch aus. Am alten Bahnhof Dahlhausen traf sich dann die Gruppe wieder zusammen. Die anderen Jungs hatten in der Zwischenzeit eingekauft. Weil Samstag war, würden wir auch die Einkäufe für den Sonntag von nun an mitführen müssen, Extragewicht, auf welches wir gerne verzichtet hätten. Da nun langsam doch die Füße und Schultern schmerzten, suchten wir von nun an eine Möglichkeit zum übernachten.
Fündig wurden wir kurz hinter Dahlhausen. In Wilhelmsthal durften wir die Pferdekoppel eines netten Herrn zum zelten benutzen. Gleich neben der Wupper schlugen wir das Lager auf, keine 5 Meter vom kühlen Nass entfernt. Der erste gemeinsame Aufbau der Kohte funktionierte gut und auch das Kochen mit den neuen Kochern klappte. So aßen wir Nudeln mit Pesto und entzündeten ein kleine Feuer.
Unseren Gesang begleitete Jini mit der Gitarre, welche Sandmann tragen durfte (musste). Viele Lieder sangen wir an diesem ersten Abend, ehe wir uns müde in das Schwarzzelt zurückzogen. Schlaf war nötig, den für den kommenden Tag hatten wir auch viel Wegstrecke uns vorgenommen.
Tag 2
17.04.2011
Geweckt wurden wir am Sonntag von Lärm unmittelbar vorm Zelt. Als ich herauskletterte, stellte ich fest, dass die beiden Ponys, die neben dem Hengst noch sich die Wiese mit uns teilten, sich über die Essensreste in unseren Kochern hermachten. Wegen der Dunkelheit war es nicht mehr möglich gewesen, am Vorabend abzuspülen. Zwar konnte ich die beiden Tiere vertreiben, doch als ich zum Zelt zurückkam, standen sie im Zelteingang und belagerten meine Mitstreiter. Als besonders stur stellte sich das schwarze Pony heraus. Erst durch einen beherzten Einsatz von Bonsai konnte es vertrieben werden.
Nach Abwasch folgte der Abbau, nach dem Abbau das Frühstück und dann der Aufbruch. Auch ein Schwan, einige Enten und eine Bisamratte hatten wir beobachten können, als wir noch am Ufer saßen. Heute wollten wir wenigstens bis zur Bevertalsperre kommen.
Dafür ging es weg von der Wupper. Um abzukürzen führte uns der Fernwanderweg einen Berg hinauf nach Lorenzhaus. Hinter einer Anhöhe erhielten wir einen Blick auf die glänzende Wuppertalsperre. Über Feldwege und Landstraßen ging es nach Heidersteg, wo wir im Café wie schon auf dem ersten Probehike eine Pause einlegten. Die Sonne brannte heiß und heftig, und die Erfrischung im Biergarten tat uns allen gut.
Danach ging es an einen Ausläufer der Talsperre, südlich in einem kleinen Tal. Dies war der vorerst letzte Blick auf unseren Heimatfluss, den wir erst wieder in Wipperfürth sehen würden, dort noch unter der Bezeichnung Wipper. In Neuenherweg machten wir eine Pause und füllten die Flaschen auf. Es war unverändert heiß, und wir waren jetzt bereits wieder viele Stunden gewandert. Nur mühsam kamen wir voran, den die Wege hierher hatten uns doch öfters über Straßen geführt. Nochmals eine Wegstunde dahinter sahen wir dann die zweite Talsperre des Tages, die Bever. Hier wollten wir möglichst bald nach einem Platz für unser Zelt schauen. Fündig wurden wir auf dem Zeltplatz Käfernberg, wo die Platzwartin, eine Pfadfindermutter, uns großzügigen Rabatt gewährte. Nach dem Aufbau ließen wir den Abend bei einem großen Lagerfeuer an einer Feuerstelle ausklingen, wo wir gemeinsam mit einer Gruppe Jugendlicher uns wärmten.
Tag 3
18.04.2011
Montag Morgen erwachten wir wieder an der Bevertalsperre. Die Jugendlichen, mit denen wir noch am Abend zuvor gemeinsam gefeiert hatten, lagen noch im Tiefschlaf, während wir mit den Vorbereitungen für die Abreise begannen. Während Bifi als einziger in die Bever sprang und eine Runde (Minute) schwamm, nutzten doch alle Fahrtenteilnehmer den ungewohnten Luxus einer warmen Dusche am Morgen. Wir erwarben von der sehr freundlichen Platzwartin, deren Tochter ebenfalls Pfadfinder ist, einige Eier und Milch und räumten die Kohte leer, ehe wir sie abbauten. Das Frühstück gab es wie üblich erst nach erfolgtem Abbau und so saßen wir im Sonnenschein auf der Wiese und konnten frische Eier genießen. Danach hieß es wieder aufsatteln und weiter laufen, das Tagesziel sollte hinter Wipperfürth liegen, wo wir einkaufen wollten. Während ich mit der Fahne vorneweg vom Platz stiefelte, kam uns ein Wagen von Radio Berg entgegen. Aus diesem sprang eine Reporterin heraus und rannte hinter uns her. Sie bat um ein Interview, in welchem es um unsere Wanderung und die Freizeitmöglichkeiten an der Bever ging.
Wir umwanderten die Bever und überquerten den Damm. Dahinter machten wir eine erste größere Pause an einem Eiswagen, unser einziges Eis auf dem ganzen Hike. Von dort schlugen wir uns durch ein kleines Wäldchen und vorbei an Wiesen und Schafen zur nächsten Talsperre, der Neyetalsperre. Auch hier liefen wir über den Damm und machten dahinter eine größere Pause. In der Mittagssonne mussten wir dann die Wälder verlassen. Vor uns lag in einem Tal Wipperfürth, wo wir eine Dreiviertelstunde später ankamen und uns den Weg nach einem Supermarkt erfragten. Einige Einkäufe mussten gemacht werden, sowohl für das Essen als auch für den Tschai, den wir für den Abend eingeplant hatten.
Einen Edeka-Markt fanden wir gleich an unserem Weg. Diejenigen, die nicht mit in den Markt kamen, passten am Ufer eines kleinen Baches bei Enten sitzend auf die Rucksäcke auf. Danach hieß es beladen und jeder bekam eine Banane und ein Würstchen. Der Weg folgte dem Bachlauf und als wir Wipperfürth hinter uns gelassen hatten, hatte uns wieder ein Wald verschluckt. Erst als wir den Bach verließen, mussten wir abermals einen Berg erklimmen. Doch dieser führte uns direkt zu einigen größeren Wiesen und Weiden und zum Ort Agathaberg. Hier wollten wir unser Lager aufschlagen. Gleich der erste Landwirt half uns und bot uns den Platz auf einer Weide an. Auch hier durften wir wieder ein Feuer errichten und nachdem wir das Lager errichtet hatten gab es ein sehr leckeres Chili-con-Carne. Im Anschluss machte Jini einen Tschai nach dem Rezept ihres Stammes, in welchem viele Südfrüchte und Gewürze Verwendung fanden. Mit viel Gitarrenspiel und Gesang ließen wir den Abend ausklingen, den wir wussten ja genau, dass dieser Abend unser letzter gemeinsamer sein würde.
Tag 4
19.04.2011
Der Dienstag war nicht minder sonnig als der Montag und so trockneten die Kothenbahnen schnell. Früher als an der vorherigen Tagen packten wir zusammen und konnten frühstücken. Für 12 Uhr hatte sich Jinis Mutter angekündigt, und bis dahin wollten wir noch einiges schaffen. Der morgendliche Blick auf die Karte zeigte uns, dass wir mindestens bis Lindlar kommen müssten, wenn wir etwas Essen wollten, denn vorher boten sich keine Einkaufsmöglichkeiten an. Also durchquerten wir den Ort und gingen dahinter über einen Bergkamm. Es bot sich eine herrliche Aussicht über das nördliche Oberbergische. Dummerweise war vor uns der Waldweg wegen Baumarbeiten gesperrt, sodass wir mit der Karte einen Ausweichplan erarbeiten mussten. Auch so fanden wir den Weg nach Fähnrichstüttem.
Dort machten wir eine Pause mit Blick auf einige Rehe, welche wir auf einer Wiese beim Fressen beobachten konnten. Die Uhr machte uns einigen Druck, doch die Abholzeit verschob sich um eine Stunde, sodass wir beschlossen, nochmal ein gutes Stück vor dem Treffen zu schaffen. Von einem weiteren Gipfel aus konnten wir Lindlar erkennen, welches aber noch ein gutes Stück vor uns in einem Tal lag. Wir verließen den Gipfel und an einer Wegkreuzung konzentrierten wir uns auf den Abschied von den beiden Mädchen, mit denen wir in den vorherigen Tagen so viel Spaß gehabt hatten.
Leider dauerte hier die Pause sehr viel länger als zunächst angedacht, sodass wir eine etwa zweistündige Pause in der prallen Sonne machten. Als dann ein Abschlusskreis gebildet und das Gepäck der Mädchen verpackt war, hatten wir einiges an Zeitdruck. Wir entschieden uns, uns aufzuteilen, in eine schnelle und eine langsame Gruppe, damit die schnelle Gruppe in Lindlar schon einmal einen Supermarkt finden könnte. So gingen Sandmann und Spladder vor Bifi und mir voraus. Es folgte ein ziemlich steiler bewaldeter Berg. Der Ausblick war wieder einmal wundervoll und bot uns spannende Einblicke in unsere Heimat. Als wir aus dem Wald heraus kamen, war die Hitze drückend. Vor uns lag ein Abhang, den es zu bewältigen gab.
Einige Kilometer und Höhenmeter später erreichten wir schließlich doch die Ausläufer von Lindlar. Nach Rücksprache mit den beiden anderen erfuhren wir, dass der nächste Supermarkt etwa 6 Kilometer abseits unserer Route lag. Also verlegten wir die Treffpunkt auf kurz vor Engelskirchen. Unser Weg ging durch ein Tal welches nicht erahnen ließ, dass die Zivilisation so nah wäre. Umgestürzte Bäume mussten überklettert werden, Ameisen hatten auf dem Weg Hügel errichtet. Man kam sich vor, als hätte diesen Ort seit 20 Jahren niemand mehr betreten. Auch die Wegzeichen waren verwaschen oder ausgeblichen, sodass w3ir den Weg nicht leicht finden konnten. Mehrfach verloren wir uns in diesem Wald. Mein persönliches Highlight war die Stelle, an der es nicht möglich war, über einen umgestürzten Baum zu klettern. So blieb uns nur der Weg darunter durch. Mit dem Rucksack auf dem Rücken mussten wir uns so flach wie möglich auf den Boden drücken und vorkämpfen. Was uns beiden wirklich fehlte, war eine Karte. Das merkten wir an der Absprache mit den beiden Schnellen. Diese waren nun unterwegs zum Treffpunkt, doch konnten wir nicht genau lokalisieren, wo wir und wo der Treffpunkt war. So verpassten wir den selbigen und fanden uns plötzlich inmitten von Engelskirchen wieder. Da wir nicht sicher waren, ob die beiden nicht vielleicht von einer anderen Seite sich an die Stadt nähern würden, gingen wir noch weiter bis auf den nächsten Berg. Dann entschieden wir, zu warten. Der Anruf von Spladder ließ nicht lange auf sich warten. Wir konnten unsere Position gut beschreiben und warteten nun auf die anderen, welche kurz darauf ankamen. Ein glücklicher Zufall bescherte uns dann die Unterkunft, in einem Garten eines netten älteren Herrn. Den Tipp hatten wir von seinem Nachbarn bekommen. Hier waren wir kurz vor der tiefsten Wildnis, die gleich hinter der Autobahn 4 anfangen würde. Doch auch gleich an den Garten schmiegte sich ein Wald, aus dem uns Käuzchenschreie beim Kochen begleiteten. Ein Feuer war schnell errichtet und wir ließen uns Kartoffeln mit Heringsstipp schmecken.
Danach mussten wir noch ein sehr ernstes Thema besprechen. Verschiedene Gründe zwangen uns vier dazu, die Fahrt an dieser Stelle abzubrechen. Für den nächsten Morgen setzten wir das Aufstehen noch eher an als bisher, damit wir einen möglichst frühen Zug aus Engelskirchen kriegen würden.
Tag 5
20.04.2011
So standen wir am nächsten Morgen traurig, dass die Fahrt vorbei war, auf dem Bahnsteig in Engelskirchen und frühstückten dort, auf den Zug wartend. Das Abschiedslied hatten wir bereits nach dem Abbau des Zeltes gesungen. In Köln am Hauptbahnhof schließlich trennten sich unsere Wege, mit dem festen Entschluss, das Erlebte unbedingt wiederholen zu wollen.
Zum Abschluss möchte ich noch einigen danken. Als erstes dem KPF, der uns freundlicherweise eine Kohte zur Verfügung gestellt hat. Ganz besonders Stefan, welcher sich vorher mit uns zusammengesetzt und das Schwarzzelt probeweise aufgebaut hatte. Als zweites all den netten Menschen, die uns so hilfsbereit aufgenommen haben. Überall durften wir ein Lagerfeuer errichten und konnten uns von den Strapazen des Tages erholen. Als letztes den Mithikern, die diese Fahrt überhaupt erst zu dem gemacht haben, was sie war. Eine für mich unvergessliche Woche, die in mir den Drang nach neuen Herausforderungen geweckt hat. Ich danke euch für den Gesang, den Weg und für die Zeit, die ich mit euch verbringen durfte.

Hüpfer